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Bardigiano Presseberichte
Bardigianos: Robuste Pferdchen mit bewegender Geschichte Sie haben einen kleinen Kopf, eine breite Stirn, einen kräftigen Hals, spitzige Öhrchen und eine wallende Mähne. Im bernischen Riggisberg leben zwei der seltenen und sympathischen Bardigiano-Pferdchen. «Furia! Gina!», ruft Walter Brawand von der Strasse aus. Zwei kleine, dunkelbraune, kräftige Pferde trotten zielstrebig heran und strecken ihre Nasen über den Zaun. Der sonst eher zurückhaltende Mann strahlt. Was er für seine seltenen Tiere empfindet, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Die Koppel mit den Bardigiano-Pferden liegt am Rande von Riggisberg, einem lebendigen Dorf im Herzen des Gantrischgebietes, 20 Kilometer südlich von Bern auf einem sonnigen Plateau am Ende des Längenbergs mit Aussicht auf die Voralpen. «Bardigiano» klingt wie eine Rotwein- oder Käsesorte. Tatsächlich leitet sich der Name der wohlgeformten Pferdchen von Bardi ab, einem historischen Städtchen in der italienischen Provinz Parma. «Die Pferde sind für mich Lebensqualität», versichert Brawand, «und die Faszination ist Gott sei Dank auf meine Frau Erika übergesprungen», fügt er schmunzelnd hinzu. Ihren Namen haben die kleinen Pferde vom italienischen Städtchen Bardi Seit 1988 züchtet Walter Brawand Ponys. «Sie sind für Kinder und Jugendliche ideal, um aus ihnen Pferdeliebhaber zu machen», erklärt der gelernte Landwirt. Kleine Geschöpfe haben es ihm angetan. So war es Liebe auf den ersten Blick, als er 2004 auf der «Eurocheval» im deutschen Offenburg die Bardigiano-Rasse entdeckte. Alle zwei Jahre reiste der Bernbieter nun an die Pferde-Messe, um seine Lieblingstiere zu sehen. Auch die Rasseschau in Bardi besuchte der Berner Bardigiano-Fan. «Im Mai 2010 entdeckten wir im Internet, dass in Bayern Bardigiano-Stute zum Verkauf angeboten wurde», erzählt Brawand lebhaft: «Wir nahmen telefonisch mit der Züchterin Kontakt auf und fuhren sofort nach Plattling.» Schon ein paar Tage später wurden die Verträge unterzeichnet. Die damals zwölfjährige Zuchtstute Furia, die sechsjährige Gina und die zweieinhalb Jahre alte Marinella zügelten nach Riggisberg. Damit ging Brawands lang ersehnter Traum in Erfüllung. Die Ross-Mädels überstanden den Transport bestens. Kurz nach Ankunft liessen sie sich bereits das Schweizer Weidegras schmecken. Der Stall und die Koppel am Rande von Riggisberg sind ein Paradies für Pferde. Man spürt sofort, dass die Besitzer alles für ihre Lieblinge tun. Walter Brawand erzählt ein besonderes Erlebnis: «Ich lag vor nicht langer Zeit mit Rippenbrüchen im Spital – kein Reitunfall!» Es ging dem Pferdezüchter schlecht: «Nicht wegen der Schmerzen. Ich mochte nicht mehr im Spital liegen.» Sein Freund Pascal Mosimann, ebenfalls Bardigiano-Liebhaber, schrieb eine SMS: «Ich besuche dich, komm um 15 Uhr zum Spital-Haupteingang!» Walter Brawand erinnert sich, wie er sich pünktlich samt Infusionsgestell auf den Weg machte: «Wer stand da? Mein Freund mit meinen drei Bardis! Das war Balsam für meine Seele. Den Rest des Spitalaufenthalts habe ich dann locker genommen.» Als Gebirgspferde mit ruhigem Gemüt waren die Bardigianos einst als Reittiere sehr beliebt Die Bardigianos werden kaum grösser als 1,35 bis anderthalb Meter und ihre Fellfarben variieren zwischen verschiedenen Brauntönen. Nur ein weisser Fleck auf der Stirn, «Stern» genannt, oder das weisse «Halbgestiefelte» an den Fesseln weichen manchmal von der einheitlichen Fellfarbe ab. Sie haben einen kleinen Kopf, eine breite Stirn und spitze Ohren. Der kurze kräftige Hals geht in eine muskulöse Schulter über. Durch die beidseitige Mähne und das dicke Stirnhaar blicken ausdrucksvolle Augen. Die Kleinpferde machen einen sympathischen und etwas vorwitzigen Eindruck. Aufzeichnungen über die Rasse gab es erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts. Vermutlich lebten die Pferde schon viele Jahre in gleicher Population. Sie wurden wohl aus gallischen Pferden gezüchtet und später durch Kreuzung mit arabischen Vollblütern veredelt. Im Mittelalter waren die Bardigianos als Reitpferde der Ritter und für die Arbeit in der Landwirtschaft beliebt. Wegen ihrem ruhigen Gemüt werden sie noch heute als Militär- und Arbeitstiere eingesetzt. Mitte des 19. Jahr-hunderts gerieten sie in Vergessenheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es vergebliche Veredelungsversuche. Die aufkommenden Landmaschinen reduzierten den Bestand weiter. Seit 1977 wird Buch über die Zucht-Stuten geführt, um die seltene Rasse neu zu beleben. Heute leben in der Schweiz nur sieben Bardigiano-Pferde. Zwei von ihnen haben in Riggisberg ihr Daheim gefunden. Jeden Morgen um sechs Uhr besucht Walter Brawand die aussergewöhnlichen Rössli in ihrem Freilaufstall. «Hier kann ich richtig abschalten», erklärt der Pferdeliebhaber und krault die beiden in der Mähne. Und es scheint, als würden ihm Furia und Gina leicht zuzwinkern. Text und Foto: Christina Burghagen für „Tierwelt“
Bericht vom Berner Landbote vom 11. Januar 2011